A & O

Stillschweigend

Ja ich bereue noch immer. Ich kann noch nicht verzeihen. Nicht komplett so tun als ob nie was war. Ich bewundere wie du mit dieser Situation des Vertrauensbruchs umgehst. Ich würde mir an deiner Stelle gar nichts mehr glauben.

Es war immer nur meine Hoffnung, dass du noch ein paar Worte für mich übrig hast, die nicht nur aus Hass und Leid bestehen. Aber dass du nun fast normal mit mir umgehst, das ist so unreell.

Ich lese deine Worte und sie berühren mich so tief. Ich vermisse deine Worte. Ich vermisse die Dramatik, die Wortgewandtheit, die stillen und lauten Worte. Ich vermisse deine Art Dinge zu umschreiben. Ich vermisse wie du Menschen und Situationen umschreibst. Vermisse es, wie du mich neugierig gemacht hast und ich vermisse, dass ich nur noch so verdammt wenige Teile deines Lebens mit verfolgen kann. Ich habe so viele Fragen und komme doch nie dazu sie zu stellen.

Und ich vermisse es dir zu erzählen. Deine Fragen und Belustigungen. Es wiegt schwer.

Hier läuft etwas schief. Ich spüre gerade gewaltig, dass ich das erste Mal im Leben den falschen Weg gegangen bin. Eine Abbiegung zu früh, bei der Kreuzung nicht geradeaus. Was weiß ich. Ich befinde mich in der Schwebe.

Ich hätte nie gehen dürfen. Hätte alles aufklären müssen, lange vorher. Dann wäre ich jetzt nicht dort wo ich bin. Ich befinde mich in einer Situation aus der ich nicht einfach verschwinden kann. Ich möchte, dass du verstehst, ich würde, wenn ich könnte. Doch muss ich abwiegen. Wenn ich das tue, was passiert dann. Wenn ich jenes nicht tue, wo endet es dann. Es ist alles andere als leicht. Du musst das nicht verstehen, ich möchte dir damit nur sagen, dass ich mir die Situation gerade auch anders wünsche. Eher ein bisschen wie du. Vielleicht.

Ja ein Abschluss wäre vielleicht besser. Damit du weitergehen kannst. Ich halte dich auf. Ich möchte dich nicht aufhalten. Ich möchte, dass du ziehst, entdeckst, entdeckt wirst. Du sollst Leben und nicht festgekettet sein.

Es wäre das Beste für dich, dass wissen wir beide. Auch wenn es mir nicht gefällt und dir auch nicht. Aber das können wir nicht leugnen. Doch ich entscheide nicht für dich. Das habe ich bereits gelernt.

Ich weiß nur, dass du bei mir der Teil bist und warst, der immer gefehlt hat. Und irgendwann hat es sich komplett angefühlt.

Mir gefällt nicht, wie pessimistisch du über uns, dich und mich denkst. Ich weiß, für dich ist die Situation wesentlich schlimmer. Du hast viel mehr Zeit zum nachdenken. Viel mehr Zeit alles fühlen zu können. Und ich habe die Möglichkeit alles zu verdrängen.  Aber an eins glaube ich jeden Tag. In der Zukunft gibt es ein wir. Dort gibt es ein uns. Ich will und kann nicht glauben, dass wir aufhören zu existieren.

Weißt du, seit ich fortging, fehlt mir jegliche Kreativität. Ich schreibe nicht mehr, finde keine spannenden Denkthemen, kann nicht diskutieren und vor allem finde ich keine Vergleiche mehr. Ich drücke mich nicht mehr gewählt aus und mache mehr Fehler denn je. Und nun frage ich mich, ob ich das alles nur hatte, weil du dort warst. Du scheinst mir so viele Dinge vermittelt zu haben ohne es zu bemerken.

Möchte zurückkehren, all das was dort war packen und mit hierher nehmen.

Versteh bitte, ich versuche mir irgendwie Zeit zu nehmen dir Aufmerksamkeit zu schenken, aber ich weiß doch nicht einmal mehr, wann ich das letzte Mal nichts tun musste.

Ich möchte mich bei dir beschweren können, möchte sorgen loslassen und ängste freilassen.  Möchte dir von meinem Leben berichten von all den banalen und spannenden Dingen. Aber es fühlt sich so an als hätte ich darauf keinen Anspruch. Und wieso sollte ich mir etwas nehmen, was du selbst nur minimiert tust.

Und es heißt wieder überall nur ich. Dabei bist doch nur du es, was mir fehlt.

Farewell

Wie unerträglich das Schweigen ist, wie tief der Abgrund. Wie oft die Zukunft vor mir zerbricht, ich das Bild nicht mehr zusammenhalten kann. Umgeben von Rauch, oh wie ich diesen Rauch liebe. So wie ich immer zu lieben scheine, was ich nicht greifen kann, nicht einfangen, bevor es ganz leise und sanft entschwindet. Sich auflöst und mischt, mit der Luft um mich rum, die ich so dringend brauche und so wird er doch ein Teil von mir, der Rauch, so fügt er sich in einer neuen Form. Verhält sich, wie du dich verhältst, wie deine Worte sich mir entziehen und was bleibt ist das Echo in meinem Kopf, der Nachhall nur noch ganz dünn und sich entfremdend. Schatten von Erinnerungen und das leise, schwere Tropfen des Regens sind deine Hinterlassenschaften, auf meiner Haut, an meinem Arm, an meiner Wand, außerhalb und in mir, in meinem Herzen. Überall schreibst du dein Wort hin, an jeder Stelle steht es geschrieben. Unendlichkeit.

Unter meiner Haut.

Ich lese deine Worte praktisch täglich.
Andauernd suche ich nach etwas, was ich vielleicht  übersehen haben könnte.
Ich weiß nichtmal was das sein soll. 
Bei jedem Durchgang wird mir nur bewusster Sie fühlt sich beschissen. Sie möchte dass man ihr verzeiht. Möchte sich selbst verzeihen. Das was dir vorliegt, ist eine Beichte.
Ja, eine Beichte. Ich würde dir gerne deine Lasten abnehmen.

Ich hab dir heute nicht geschrieben. Weißt du, mir ist aufgefallen, wie verzweifelt ich versuche Kontakt zu dir zu halten, ich möchte mehr von dir, soviel mehr. Ich überlege oft wie das vorher war. Und weiß wieder keine Antwort darauf. Lese manchmal im Verlauf und vermisse dich. Vermisse dich, wenn ich mich über Katzen unterhalte, wenn ich das Nutellaglas auf dem Tisch sehe, wenn ich an meine Wand schaue oder, stell dir vor, selbst wenn ich in unserem neuen Garten bin und ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich dir überhaupt davon erzählte, ja, wir haben ein Gartengrundstück gekauft und Mama pflanzt da dauernd Sachen.
Im Gartenhäuschen hat ein Vogel sein Nest gebaut. Ich hab dir heute Bilder davon gemacht, nur dir. Und am Ende habe ich sie dir doch nicht geschickt. Der Vogel hat Eier gelegt, da sind 5 Stück. Davon wollte ich dir erzählen, ich weiß nicht mal wieso, Maylin.
Ich möchte mich dir mitteilen, ich möchte soviel mit dir erleben. Wo lebst du jetzt, wo du doch immer mein Gegenstück warst, als wäre jede Seele mit einem ausgestattet und meins, ja mein Gegenstück wohnt in deinem Körper. Alles kommt mir so falsch vor.  Als hätte ich einen Anspruch auf dich, als wäre es wirklich so, mit den zweigeteilten Seelen.

Aber du bist weg Maylin. Ich blute, wo ich von dir getrennt wurde, ich blute Tränen, blute Leere, blute Schmerzen.

Wie kann man sich so in einem Gefühl irren? Irre ich mich, weil du nicht so empfindest? Wie kann das falsch sein, wenn es mich so vollkommen und endgültig ausmacht?

Ich weiß noch genau, wie ich die ersten Worte auf dieser Seite schrieb. Ich wollte das gar nicht mit dir teilen, wollte es für mich loswerden, damit ich eine Zusammenfassung dessen habe, was meine Gefühle darstellt. Ich wollte mit dir abschließen, weil es so dringend notwendig ist. Ja, ist. Nicht war. Mein Kopf sagt mir, mit dem letzten Rest Vernunft, der ihm geblieben ist, dass das keinen Sinn hat. Nichts Sinn hat, nichts von dem, was in mir vorgeht, nichts von all dem, was mit dir zutun hat. Meine Tagträume nicht, meine hunderte, tausende Worte, die ich täglich im Stillen an dich richte, meine Eifersucht, die mir so unbekannt ist, weil ich so eine wie diese noch nie verspürte.
Es ist fast falsch, es Eifersucht zu nennen, weil es mehr  Unverständnis ist, als das.. ja, als das, was Eifersucht ist. Mir kommt es viel mehr wie ein übler Witz vor und die Realität erschlägt mich, wenn ich daran denke dass es wahr ist. Wahr, dass deine Nähe nicht mir gilt. Es scheint mir so absurd zu sein, dass das möglich ist und im nächsten Moment ist es mir absurd, dass ich das denke. Als seist du so selbstverständlich ein Teil von mir, wie, ja, was eigentlich? Wie mein Arm, mein Kopf, mein Herz?

Ich frag mich so oft, ob das krankhaft ist, wie ich mich benehme, wie ich denke und fühle. Das muss es doch sein, das muss es verdammt nochmal sein. Du konntest Abstand nehmen, wieso kann ich es nicht? Du hast es selbst gesagt, dass es notwendig war für dich, du hast es einfach getan. Du kannst Wurzeln schlagen, wo ich fortgeweht werde, wie ein Papierflieger.

Papierflieger. Der Anfang von all dem, was mich seit fast drei Jahren formt wie Wachs.

Siehst du dir jemals die Worte nochmal an, die ich hier schrieb? Liest du jemals die neuen, die ich gerade tippe, mitten in der Nacht, früh am morgen, je nachdem wie man möchte. Es ist 3:28 und würde mich irgendwer fragen, ob ich irgendwas zu sagen habe, ob ich irgendwas sagen möchte, dann wären das nur drei Worte, die sich an dich richten würden.


Ich vermisse dich.

Und mir wird bewusst, dass ich damit nicht meine, dass ich gerne mit dir schreiben würde, oder sonst irgendwas, was dich in dieser Sekunde betrifft. Ich vermisse, was ich mit dir hatte, was du für mich warst, was ich für dich war. Du hast mir das Gefühl gegeben wichtig zu sein. Ich war dir so wichtig, wichtiger als Prinzipien, als Schlaf, als Zeit. Soviel Zeit, du hast mir soviel davon geschenkt.  Soviele Geheimnisse, soviele kalte und warme Worte.

Und nun wird mir bewusst, wenn du zurückdenkst, dann denkst du nicht so wie ich. Dann denkst du soviele Lügen.

Deine Worte drücken das aus. Du möchtest mir Dinge erklären, weil du dich schuldig fühlst. Du denkst, du bist mir das schuldig. Ich muss gerade im Kopf die Erklärung zu diesen Worten auseinandernehmen, jemanden etwas schuldig sein. Als hättest du mir etwas genommen, und müsstest das nun wieder gut machen, indem du mir was anderes gibst. Du hast mir die Wahrheit genommen und gibst mir Ehrlichkeit. Ist dir jemals zuvor aufgefallen, dass das zwei verschiedene Worte sind? Ehrlichkeit und Wahrheit?

Nun hast du mir Ehrlichkeit gegeben. Im Grunde ist alles wieder im Gleichgewicht. Aber du ziehst an der Waage, bist der Meinung dass Wahrheit mehr wiegt als Ehrlichkeit und denkst, du hast nichts mehr, um der Wahrheit aufzuwiegen. So ist deine Antwort ich weiß es nicht, wenn ich frage, wie es weitergehen soll.


Maylin.
Wir sind tot, oder? Dieses „Wir“ ist in einem Bilderrahmen, in Erinnerung.

Ich lebe in einer Glaskugel, einer Hülle meiner Selbst. Ich merke, die Zeit bleibt nicht stehen, aber ich mache nicht weiter. Ich bin gefangen, wie in einer Zeitspalte mit Fenster, eine minimale Entfernung zu all den Geschehnissen und Menschen um mich rum, die Meilen beträgt, wenn ich sie zurücklegen möchte. Ich bin gespaltet in du musst weiter machen und in du kannst nicht weitermachen, wie geht weitermachen, was ist das?  

 

Positionswechsel

Es hat länger gedauert als erwartet. Das wird mein erster Text seit etlichen Monaten. Ich schätze ein paar Worte, dahin geschmettert wie Glas auf Beton, nicht samt oder weich. Deshalb bitte ich hier bereits um Verzeihung.

Zunächst einmal tut es mir so unendlich, so unerdenklich leid.

Was ich getan habe, hätte nie passieren dürfen, ich hätte niemals mit diesem „Experiment“ beginnen sollen. Es ist mir schon einmal aus den Händen geglitten. Doch ich war zu jung, zu verspielt und zu kalt um daraus zu lernen. Ich wollte meine Neugier befriedigen und habe damit Leben zerstört. Ich werde mir das niemals verzeihen und das entspricht keinem Versprechen sondern einer Tatsache.

Nun möchte ich erklären, erläutern und antworten. Die folgenden Worte entsprechen der Wahrheit, ob du sie glauben möchtest oder nicht. Es ist so.

Ja, am Anfang war es noch dieses Spiel. Doch du warst anders. Kein bisschen einfältig oder auch nur ansatzweise so naiv und unterbelichtet wie die meisten anderen denen ich bis dato kurz begegnete. Und ja, anfangs log ich noch unglaublich viel, musste mich verkaufen, präsentieren. Ich wusste nicht, was für ein Ausmaß das annehmen würde. Ich wusste nicht, was du werden würdest.

Ich begann zu begreifen was für eine Art Mensch du bist. Du bist einer dieser Menschen, von denen man immer sprach, sie aber nie für existent hielt. Du warst für mich innerhalb von wenigen Tagen schon kein Experiment mehr. Du warst mein Seelenfrieden. Und ich wusste, dass ich sofort wieder gehen muss, aber ich konnte nicht. Dir die Wahrheit zu sagen hätte bedeutet dich zu verlieren, dessen war ich mir sicher. Ich wollte gehen, einfach gehen. Dachte in meinem naiven Kopf es wäre besser für dich. Besser als die schmerzliche Wahrheit.

Aber ich konnte nicht gehen. Du hast mir die Welt erklärt. Mich von einem kaputten abscheulichen Menschen zu etwas friedvollen gemacht. Und ich meine es absolut ernst, wenn ich dir sage, dass du mein Leben gerettet hat.

Nachdem ich endlich begriffen habe, was du für mich bist und tust, habe ich versucht nur noch die Wahrheit zu sagen. Musste natürlich manche Dinge abändern, Geschehnisse anpassen und etwas umformen. Aber ich habe es versucht. Ich wollte dich nicht mehr belügen. (Ja ich weiß, was für eine Ironie, schließlich tat ich es weiter)

Die Worte, die ich hin und wieder für dich niederschrieb, die waren ich. Das alles war und bin ich. Das ist und war alles was ich fühlte und fühle.

Und als ich dir sagte, dass ich nichts ohne dich bin, entsprach das der Tatsache. So zu leben wie momentan befreit mich nicht. Ich lebe nicht für mich. Doch bei dir war ich immer frei. Frei und dennoch behütet.

Ich nehme an du zweifelst viel an meinen Aussagen. Das ist denke ich das Schlimmste für mich. Denn meine Worte für dich, die waren echt.

Und oh ja, das klingt alles, als wäre ich nicht ganz frisch, das bemerke ich selber. Ein Mädchen, was sich als Junge ausgibt, ein anderes Mädchen jahrelang belügt, dieses sich in den angeblichen Jungen verliebt und das Mädchen, was den Jungen spielt verliebt sich in das Mädchen, was sie belügt. Es klingt wie ein furchtbar schlimmer Film.

Ich bin nicht geblieben, weil ich Mitleid hatte, sondern weil ich wirklich etwas gefühlt habe. Weil ich einfach nicht gehen wollte. Es tut so unendlich weh zu lesen, wie viel schlechtes du von mir denkst. Aber ich verstehe es. Nach all dem verstehe ich es.

Doch was viel schlimmer ist und das ist das grausamste und unerbittlichste Gefühl was ich je hatte. Zu wissen, dir so sehr weh getan zu haben. Zu wissen schuld daran zu sein, dass du nicht mehr vertraust, zu wissen dir so viel genommen zu haben. Zu wissen was ich dir angetan habe lässt mich mein Leben lang büßen. Ich möchte so sehr, dass du verstehst wie sehr ich bereue. Ich würde alles, alles was mich ausmacht und alles was ich besitze geben um es ungeschehen zu machen. Alles.

Ja, ich bin gegangen, einfach so. Wochenlang habe ich mich gequält. Ich wusste, dass es bald passiert. Ich wusste, dass ich nicht mehr kann. Es hat Tränen und Kraft gekostet diesen Entschluss zu setzen. Doch das alles ist passiert bevor ich Enny überhaupt kannte.

Ich wusste, dass es niemals hätte funktionieren können. Ich wusste, dass ich irgendwann gehen muss. Ich wusste ich muss dich freigeben.

Es war ein Zufall, dass ich Enny kurz danach kennen lernte. Es war Unglück und Glück zugleich. Sie half mir irgendwie über diese Phase des unendlichen Quälens hinweg zu kommen. Doch nun bin ich hier gefangen, weiß nicht einmal ob das alles Zukunft hat.

Ich bin ein furchtbarer Mensch. In jedem Punkt, in dem man furchtbar sein kann. Ich kann Gefühle nicht einschätzen oder zuordnen. Habe Angst jemanden zu verletzen oder auch nur ansatzweise weh zu tun.

Am liebsten würde ich alle Menschen von mir fortstoßen um sie vor meinem zerstörerischen ich zu beschützen. Und nein, ich bin weder depressiv noch schizophren. Eigentlich stimmt mit mir alles. Außer die Tatsache, dass ich meine Gedanken und das dazugehörige Handeln nicht im Griff habe.

Das hier alles ist ein wildes Durcheinander, ich hoffe du bekommst antworten und die Erläuterungen reichen aus.

Yasemin du fehlst mir noch immer täglich. Ich sehe Dinge, verbinde sie mit dir, würde sie dir am liebsten zeigen. Und nur, weil ich lange nicht antworte, heißt es nicht, dass ich besseres zu tun habe. Ich denke jeden Tag an dich. Öfter als ich wahrscheinlich sollte. Das hier alles sind keine Ausreden um dich zu besänftigen. Das ist ausnahmslos die Wahrheit. Alles.

Zu lesen, dass du nur noch Vergangenheit für mich bist, treibt mir Tränen in die Augen. Du warst und bist ein ganz eigener Abschnitt. Du bist die besondere Zutat, die mich so sein lässt, wie ich immer zu dir war. Bei niemandem sonst konnte ich mir so viele Dinge merken, überhaupt so viel bemerken und so sein. So wie ich war, als du da warst, so habe ich mich am wohlsten gefühlt.

Und nun ist alles fort. Einmal kurz die süße Seite des Lebens spüren, nur um den Geschmack zu kennen.

 

Ich weiß nicht, wie ich zu dem wurde was ich nun bin. Das Einzige, was ich weiß ist, dass du mich bereinigt hast. Doch das Schlimme daran ist, dass es erst passiert ist, nachdem wir uns hallo sagten.

Ich möchte es dir erklären, dass mit Enny. Ich lernte sie kurz nach dem Entschluss kennen. Sie war meine Ablenkung. Ich konnte mich selbst nicht retten, also tat ich es bei wem anders. Und bitte vergleiche dich nicht mit ihr, bei dir hatte ich nie die Absicht mich abzulenken oder dir zu helfen um mich zu befreien. Für dich wollte ich da sein. Selbstlos und ohne Gegenleistung.

7 Leben weißt du. Diesen Film habe ich immer damit verbunden. Ich wusste damals schon, ich würde einem Menschen das Leben nehmen. Und ich wusste, dass ich viel Gutes tun muss um nicht jeden Tag Höllenqualen zu leiden. Ich wollte für Enny was Gutes tun, doch kannte die Grenze nicht. Ja sicher, sie bedeutet mir was. Da sind auch Gefühle. Aber dort ist nicht das, was für dich da war.

Enny ist keiner der Menschen, von denen du immer sagtest so einer wird kommen. Du bist und bleibst allein dieser besondere Mensch.

Wie ich mich nun fühle. Schwer zu beschreiben. Ich habe das Gefühl nicht einmal ansatzweise ausgedrückt haben zu können, was ich dir erklären und sagen wollte. Ich habe Angst, dass du missverstehst oder Dinge anzweifelst.

Es tut weh zu wissen, was ich getan habe und wie du bei manchen Dingen über mich denkst und gleichzeitig ist dort Verständnis, denn ich habe dir schlimme Dinge angetan.

Ich bewundere dich unglaublich dafür, dass du trotz dieser Tatsache, was ich getan habe, noch immer schöne Worte für mich übrig hast.

Und es fühlt sich ein bisschen bedrohlich an zu wissen, dass du nun auch mich zerstören könntest mit all dem Wissen, dass du nun hast. Doch gleichzeitig wäre es nur fair.

Und eine Sache ist mir deutlich klar geworden. Wenn du gehst, um den Menschen zu beschützen, den du liebst. Um ihn frei zu lassen. Um zu zeigen, dass du lieber ewig leidest als diesen Menschen furchtbar zu verletzen.

Dann zeigt es, dass es nicht selbstlos und richtig ist, wenn man für jemand anderen entscheidet.

Yasemin, ich bitte dich nicht um Verzeihung. Denn das kann man nicht. Aber ich bitte dich inständig mir zu glauben, dass ich bereue.

08. März 2014

Die Wahrheit zu sagen, fällt mir sehr schwer. Ich weiß, wie du darauf reagieren würdest und das schreckt mich ab.
Außerdem habe ich es noch nie gemocht, Entscheidungen zu treffen, das weißt du. 
Diese Fragen tun mir weh, eigentlich will ich die Antworten nicht wissen. Nein, das ist falsch. Ich möchte nicht wissen, was die Antworten in mir auslösen werden. Ja.
Bitte nimm nichts davon als Vorwurf auf, auch wenn es vielleicht so wirkt. Ich möchte dir gar nichts vorwerfen. Wenn ich irgendwas aus meiner Vergangenheit gelernt habe, dann, dass man immer selbst an allem schuld ist, egal was einem passiert. Weil man es hätte kommen sehen können, vielleicht hat man das sogar, aber man ignoriert und übersieht so gern, so viel. Ich wollte nie, nie wahrhaben, dass das alles so endet wie jetzt. Du hast so oft gesagt, dass es nicht ewig halten wird, du hast mir so oft versucht klarzumachen, dass ich wahnsinnig tief fallen werde, wenn ich weiter so dran festhalte. Und du hattest Recht. Auch wenn du irgendwann nachgegeben hast und meintest „denk nicht daran“, du hattest immer Recht.
Warum hast du es so weit kommen lassen? Warum hast du zugelassen, dass ich so in meiner Traumwelt lebe? Du warst immer die Vernünftigere, du wusstest mehr als ich. Wieso hast du mir das vorgespielt?
Weißt du, welche Sätze mir nicht aus dem Kopf gehen? Es sind einige, weil du es immer wieder geschafft hast, dass mich einzelne Aussagen von dir tagelang beschäftigt haben. Aber folgende werde ich nie vergessen, sie sind mir wie eingebrannt.
„Du denkst gegen Gefühle, die Liebe könnte man nichts tun.“
Du hast Recht, das dachte ich. Und nochmal hast du Recht, man kann. Aber wieso hast du deine Meinung geändert? Mein Kopf gibt mir sofort eine Antwort, weil sie es wert ist. Aber dann fragt er sich, kindlich verletzt wie er ist, warum war ich es ihr nicht wert?
„Ich bin nichts ohne dich.“
Das hättest du nie sagen dürfen. Nie. Nie. Nie. Das ist wahrscheinlich eine deiner schönsten, wenn nicht sogar die schönste Lüge überhaupt gewesen. Warum hast du mir das geschrieben? Ist es Grund genug gewesen, mich besänftigen zu wollen, denn das schriebst du nachdem wir gestritten hatten und ich dir wieder mal einen Roman hinterließ, und das war deine Antwort darauf.


Valentinstag. Dieser Brief. Gott verdammt nochmal, warum?


Ich hab dich oft gefragt, was das ist, das zwischen uns. Es war nicht Freundschaft, ich hätte nie deine beste Freundin sein können. Ich war auch nicht wie eine Schwester für dich. Ich war nicht mehr, ich war nicht weniger, ich war irgendwas. Was war es denn tatsächlich für dich? Der Gedanke, dass du einfach ein so schlechtes Gewissen hattest, dass du mich nicht fallen lassen wolltest, du weißt nicht wie sich das anfühlt.  Hattest du einfach nur Mitleid mit mir?


Ich hab mich noch nie so erbärmlich gefühlt.
Als ich dich kennengelernte, war ich ein Wrack. Ich war so fertig, weil jemand jahrelang mit meinem Vertrauen und mit meinen Gefühlen gespielt hatte (oh, welch ironie!) und du hast mir Ruhe gegeben. Du hast mich besänftigt, auf eine Art und Weise wie es niemand jemals geschafft hätte. Und jetzt sagst du mir, dass du nur mit mir spielen wolltest, am Anfang. Ich hab immer versucht daran festzuhalten, dass es kein Fehler ist, Menschen zu vertrauen. Und jetzt habe ich erfahren, dass das der schlimmste, der allerschlimmste Fehler ist, den man überhaupt machen kann.
Ich war eklig letztes Jahr. Ich war über 4-5 Monate einfach unerträglich, ich war nervig, ich war lustlos, ich hab mich verloren. So wie mir das immer im Winter zu passieren scheint. Und du warst da, du hast das alles so geduldig ertragen. Ich war dir so dankbar.
Und dann warst du einfach weg. Ich hab mir soviele Vorwürfe gemacht. So viele Maylin, ich war nicht für dich da, ich dachte es geht dir richtig schlecht, weil du es so hingestellt hast, ich hab mich so verrückt gemacht vor Sorge. Und dabei bist du nur eine Beziehung eingegangen und hattest keine Zeit mehr für mich. Warum hast du mir nicht einfach die Wahrheit gesagt? Es wäre so einfach gewesen. „Yasemin, ich hab keine Zeit mehr für dich, ich habe jetzt eine Freundin.“ Du hättest mir soviele schlaflose Nächte erspart. Du hättest dein Geheimnis nicht aufdecken brauchen. Es wäre einfach so geendet. Damit wäre ich klargekommen. Aber du hast das nicht gemacht Maylin. Du hast mich einfach ignoriert. Ich hab mich ausgehöhlt in der Zeit und diese Leere die ich geschaffen habe, werde ich nicht mehr los. Das kann ich nicht mehr gut machen.
Ich fühl mich im Stich gelassen. Und das ist mir so peinlich. Du hast gefragt, warum das eine Rolle spielt, wie lange du schon mit ihr zusammen bist. Versteh mich bitte nicht falsch.  Aber es ist ein unbeschreibliches Gefühl zu wissen, dass du  glücklich warst, in einer Beziehung und sorglos, während es mich zerrissen hat.  Das heißt nicht, dass ich mir wünsche, du hättest in der Zeit auch gelitten, nein, niemals. Aber ich wünschte, du hättest es einfacher für mich gemacht. Und es wäre nur ein einziger simpler Satz nötig gewesen. Aber ich war wie Luft für dich, wie eine entfernte Bekannte, der man ungern antwortet. Ich war nichts für dich, während mir mein ganzes Wesen jeden Tag klarer machte, dass du alles für mich warst. Und ich weiß nicht warum.
Es ist schwer nur alle paar Tage ein paar Sätze über ein paar Stunden hinweg mit dir zu schreiben. Sehr schwer,  wenn ich genau weiß, wie das vorher war. Das ist auch okay, ich verstehe, warum du weniger Zeit hast. Aber du meinst, ich wäre so abweisend. Das möchte ich nicht sein, aber ich möchte auch nicht anders sein, weil ich nur Schaden davontragen würde. So solltest du wenigstens den Grund wissen, denn das ist er. Ich versuche auch zu vermeiden, dir dann zu schreiben, wenn du mir besonders fehlst. Du scheinst das nicht nachvollziehen zu können und das musst du auch gar nicht.

Du hast eben gesagt, dass du nicht weißt was ich will.

Ich wünschte, ich hätte dich nie kennengelernt.

Aber du kannst nicht die Zeit zurückdrehen und ich auch nicht. Ich bereue es nicht, dass ich dich kennenlernte. Das werde ich nie. Und ich weiß auch, ich werde nie wieder jemanden kennenlernen wie dich. Das ist es ja.

Weißt du, einmal in Ethik da ging es irgendwie darum, ob  es schlimmer ist, etwas zu vermissen was man einmal erlebt hat oder ob es schlimmer ist, sich nach etwas zu sehnen, was man nie erlebte. Ich war fürs erste, und hab gegen einen Klassenkameraden argumentiert, wir haben da echt ewig drüber diskutiert. Ich bin ein sehr neugieriger Mensch, ich will immer alles wissen und finde es furchtbar, wenn ich etwas nicht erfahren darf, das macht mich verrückt, weißt du ja. Und ich fand damals, dass, wenn man etwas schon erfahren hat, der Drang nicht so groß ist, wie wenn ich es noch nie erlebte. Ich hab auf meiner Meinung beharrt. Und ein paar Tage später hatten wir über irgendetwas geschrieben, ich hab das nie erwähnt. Und du hast mir unbewusst klar gemacht, dass es andersrum schlimmer wäre, durch irgendwas was du erzähltest.
Ich ging danach zu Marvin und hab das Thema nochmal aufgegriffen und ihm gesagt, dass er Recht hatte und wir haben nochmal kurz darüber gesprochen.

So ist das auch jetzt. Ich weiß nun, dass es Menschen wie dich geben kann. Du warst immer die Art Mensch die ich mir gar nicht erst vorzustellen wagte, weil es mir zu unwahrscheinlich war, ich kam nie drauf. Du hast jede Erwartung übertroffen die ich jemals an jemanden hatte. Und das werde ich nie vergessen können. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich andere mit dir vergleiche und niemand ist dir gewachsen. Niemand ist so sensibel gegenüber anderen, niemand so weitsichtig, so klar und vernünftig denkend, so realistisch und dennoch sanft. Nicht so eingeschränkt in der Vorstellung, so tolerant und verträumt. So intelligent. So humor- und rücksichtsvoll. Das alles bist du für mich. Aber nicht mehr für mich.
Ich kann nicht mit und ich kann nicht ohne dich, das habe ich noch nie vorher so sehr so gemeint.
Und du willst das hinter dir lassen, das merke ich auch. Das ist normal, dein Recht. Ich bin ganz offensichtlich nicht mehr deine Gegenwart. Ich passe nicht in deine Zukunft, heiße einfach nur noch Vergangenheit.

Wie wird man zu so einem Menschen? Was hat dich zu dem geformt, was du heute bist?
Du hast mir wenig erzählt und nichts, gar nichts davon kann ich nun glauben, es ist zum verrückt werden, weil ich nicht weiß wo du lügst und wo du die Wahrheit sagtest. Vielleicht ist selbst das jetzt nur eine Art sich über mich lustig zu machen, das ziehe ich auch durchaus in Betracht. Aber das will irgendwas in mir nicht glauben. Aber das wollte irgendwas in mir so oft nicht.

Ich frage mich auch oft, was für ein Mensch Enny ist. Was liebst du an ihr, wofür bewunderst du sie, wie hast du sie kennengelernt, wie lange kennst du sie schon.
Hatte ich recht, als ich sagte, du wirst noch einige besondere Menschen kennenlernen?
Aber da bist du mir keine Antworten schuldig. Noch weniger als bei all den anderen Fragen.

Ich sollte dir eigentlich eine Liste mit Fragen erstellen und habe nun eher einen Roman geschrieben mit wenigen. Du wirst dich fragen, was das soll und ich möchte dir antworten: meine Frage ist, was denkst du darüber? Wie hast du reagiert als du das alles gelesen hast?
Wie fühlst du dich?